Wie wir Kinder begleiten
„Kinder begegnen ihrer Welt von Geburt an neugierig und lernen spielend.“ Dieser Satz aus den Bildungs- und Erziehungsempfehlungen des Landes Rheinland-Pfalz beschreibt sehr gut, wie wir Kinder sehen: nicht als „kleine Erwachsene“, die wir mit Wissen füllen müssen, sondern als selbstständige Persönlichkeiten, die von ganz allein lernen wollen.
Unsere Aufgabe ist es, ihnen Räume, Zeit und gute Begleitung zu geben. Damit aus Neugier Wissen werden kann. Und aus ersten Erfahrungen das Vertrauen, sich selbst etwas zuzutrauen.
Vier pädagogische Quellen, aus denen wir schöpfen
Unsere Arbeit folgt keinem starren Rezept. Wir orientieren uns am situationsorientierten Ansatz, der die Lebenswelt und aktuellen Themen der Kinder in den Mittelpunkt stellt. Aus drei weiteren bewährten pädagogischen Konzepten haben wir uns das geholt, was zu uns passt:
Situationsorientierter Ansatz
Wir greifen Themen auf, die die Kinder gerade beschäftigen. Wenn ein Kind vom Zahnarztbesuch erzählt, kann daraus ein Projekt entstehen – mit Bilderbüchern, Rollenspielen, einem Besuch bei der Zahnärztin und dem gemeinsamen Zähneputzen.
Reggio-Pädagogik
Aus Reggio kommt der Gedanke vom Raum als „drittem Erzieher“. Räume sind nicht nur Hintergrund – sie laden ein, sie strukturieren, sie regen an. Wir gestalten unsere Räume bewusst und immer wieder neu.
Montessori-Pädagogik
„Hilf mir, es selbst zu tun“ – dieser Satz von Maria Montessori beschreibt unseren Anspruch sehr genau. Wir nehmen den Kindern nicht ab, was sie selbst können. Auch wenn es länger dauert. Auch wenn es manchmal Geduld braucht.
Freinet-Pädagogik
Aus der Freinet-Pädagogik nehmen wir den Gedanken des demokratischen Lernens mit. Kinder dürfen mitbestimmen, Regeln werden gemeinsam ausgehandelt, Konflikte gewaltfrei gelöst.
Unsere zehn pädagogischen Grundsätze
Auf der Basis dieser Quellen haben wir zehn Grundsätze formuliert, die unsere tägliche Arbeit prägen. Sie sind nicht in Stein gemeißelt – aber sie geben uns Orientierung.
1. Kindorientierung und Wertschätzung
Jedes Kind wird gesehen, gehört und ernst genommen. Im Alltag bedeutet das: Wir gehen auf Augenhöhe, wir sprechen mit Kindern – nicht über sie. Wir loben, was gelingt, und begleiten, was noch wächst.
2. Partizipation und Mitbestimmung
Kinder dürfen mitentscheiden, was sie betrifft – im Kleinen wie im Großen. Welches Lied im Morgenkreis gesungen wird, welche Regeln in der Gruppe gelten, welches Projekt als nächstes gestartet wird.
3. Ganzheitliche Bildung
Lernen umfasst Körper, Sprache, Denken, Gefühle und Soziales. Wir fördern alle diese Bereiche gleichzeitig und verstehen sie als untrennbar verbunden – nicht als separate Fächer.
4. Inklusion und Chancengleichheit
Alle Kinder sind willkommen – unabhängig von Herkunft, Sprache, Religion, Beeinträchtigungen oder familiären Voraussetzungen. Vielfalt ist für uns eine Bereicherung, keine Herausforderung.
5. Selbstständigkeit und Verantwortung
Wir trauen den Kindern viel zu. Wer selbst Jacke anziehen, Tisch decken oder eine Aufgabe übernehmen darf, erlebt sich als wirksam. Das stärkt Selbstvertrauen und Verantwortungsgefühl.
6. Lernen durch Spiel und Erfahrung
Spiel ist die wichtigste Lernform im frühen Kindesalter. Was Erwachsene manchmal als „nur spielen“ bezeichnen, ist in Wahrheit hochkonzentriertes Forschen, Verstehen und Erproben.
7. Demokratisches Lernen
Konflikte werden gewaltfrei gelöst, Regeln gemeinsam entwickelt. Kinder, die erleben, dass ihre Stimme zählt, lernen Demokratie von Anfang an – nicht als abstraktes Prinzip, sondern als gelebte Erfahrung.
8. Emotionale Sicherheit
Nur wer sich sicher fühlt, kann sich entfalten. Verlässliche Bezugspersonen, klare Tagesstrukturen und ein wertschätzendes Klima sind die Basis für alles, was darüber hinaus möglich wird.
9. Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein
Die Natur ist Lehrmeisterin und Lebensraum. Wir gehen regelmäßig raus, pflegen Hochbeete, beobachten Jahreszeiten und entwickeln Respekt und Verantwortung gegenüber der Umwelt.
10. Schutz und gewaltfreie Erziehung
Körperliche oder seelische Gewalt hat in unserer Kita keinen Platz. Alle Mitarbeitenden sind auf unseren Verhaltenskodex verpflichtet. Der Schutz der uns anvertrauten Kinder hat immer Vorrang.